Wie Augenkontakt das Urvertrauen eines Menschen formt

Wie Augenkontakt das Urvertrauen eines Menschen formt

Bevor ein Mensch sprechen kann, bevor er denken oder sich erinnern kann, erlebt er die Welt über Blicke. Über Nähe. Über das Gefühl: Da ist jemand ganz bei mir.
Wenn ein Baby im Arm liegt, Auge in Auge mit seiner Bezugsperson, und sich Blicke treffen, entsteht etwas zutiefst Menschliches.
Ein stilles Glitzern. Ein gegenseitiges Erkennen.

Dieses frühe Augenspiegeln ist kein schöner Moment – es ist ein neurobiologisches Fundament für das gesamte spätere Leben.

 

Das Augenspiegeln – der erste Dialog ohne Worte

In den ersten Lebensmonaten existiert das Baby noch nicht als eigenständiges Ich.
Es erlebt sich über Resonanz.

Wenn die Mutter oder der Vater das Baby im Arm hält, den Blick hält, weich wird im Gesicht, innerlich präsent ist, geschieht Folgendes:
Das Nervensystem des Babys reguliert sich.
Der Herzschlag passt sich an.
Stress sinkt.
Sicherheit entsteht.

Das Baby „sieht“ sich selbst zuerst im Blick des anderen.

Dieses Augenspiegeln ist der erste Beweis für das Baby:
Ich bin da. Ich werde gesehen. Ich bin willkommen.

 

Das Glitzern – emotionale Resonanz im Gesicht

Es geht nicht um bloßen Blickkontakt.
Es geht um emotionalen Ausdruck im Blick.

Das berühmte Glitzern entsteht, wenn die Bezugsperson innerlich verbunden ist – nicht abwesend, nicht gestresst, nicht mechanisch.
Das Baby spürt:
Da ist jemand wirklich bei mir.

Psychologisch nennt man das affektive Spiegelung.
Das Gesicht des Erwachsenen übersetzt das innere Erleben des Babys.

So lernt das Kind:

  • Meine Existenz erzeugt Resonanz

  • Ich löse Freude aus

  • Ich darf da sein

 

Wann das Baby ein Gefühl für sich selbst entwickelt

Das erste Selbstgefühl entsteht nicht durch Denken.
Sondern durch Erleben.

Zwischen dem 2. und 6. Lebensmonat beginnt das Baby, ein implizites Selbstgefühl aufzubauen.
Dieses basiert auf wiederholten Erfahrungen von:

  • gehalten werden

  • angeschaut werden

  • emotional beantwortet werden

Fehlt dieses Augenspiegeln, bleibt das Selbstgefühl diffus.
Das Baby fühlt sich zwar am Leben – aber innerlich nicht wirklich „da“.

 

Was passiert, wenn dieses Spiegeln fehlt

Wenn das Baby zwar versorgt wird, aber emotional nicht gespiegelt, entsteht kein klares inneres Erleben von Existenz.

Die Folgen können sich auf verschiedene Weisen zeigen:

  • chronische innere Leere

  • Schwierigkeiten, sich selbst zu spüren

  • starker Wunsch nach Bestätigung

  • Bindungsunsicherheit

  • Überanpassung oder emotionaler Rückzug

Der Mensch sucht dann sein Leben lang das Glitzern, das ihm einst gefehlt hat.

Nicht aus Drama – sondern aus einem frühen Mangel an Resonanz.

 

 

Warum dieses frühe Spiegeln nicht „nachholbar“, aber verstehbar ist

Dieses vorsprachliche Spiegeln kann später nicht exakt ersetzt werden.
Aber es kann verstanden, betrauert und integriert werden.

Menschen, denen dieses Augenspiegeln gefehlt hat, sind oft besonders feinfühlig, suchend, tief.
Sie spüren unbewusst, dass etwas fehlt – ohne es benennen zu können.

Therapie, echte Beziehung und bewusste Körper- und Bindungsarbeit können helfen, dieses frühe Defizit zu verarbeiten, auch wenn es nicht rückgängig gemacht werden kann.

 

Warum dieses Wissen so wichtig ist

Dieses Thema erklärt, warum manche Menschen „alles haben“ – und sich trotzdem leer fühlen.
Warum Nähe gleichzeitig ersehnt und gefürchtet wird.
Warum der Blick eines anderen Menschen manchmal mehr bedeutet als tausend Worte.

Wir sind Blickwesen, bevor wir Sprachwesen sind.

Und genau dort – im ersten Blick – beginnt unsere Geschichte.

 

Das Urvertrauen

Das erste Augenspiegeln ist kein Detail der Kindheit.
Es ist der Ort, an dem sich entscheidet, ob ein Mensch sich innerlich real fühlt.

Dort entsteht Urvertrauen – oder sein Fehlen.
Dort entsteht das Gefühl: Ich darf sein.
Wenn ein Baby im Blick des anderen leuchtet, beginnt das Leben sich selbst zu erkennen – und dieses Leuchten trägt ein Mensch, bewusst oder unbewusst, für immer in sich.

 

Hast du Probleme mit Vertrauen, Bindung oder deinem eigenen Selbstwert? Eine psychologische Beratung kann dir helfen.

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