4. Emotionale instabile Persönlichkeitsstörung
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4. Emotionale instabile Persönlichkeitsstörung
Wenn Gefühle schneller sind als der Verstand
Viele Menschen erleben starke Emotionen. Doch bei manchen Personen scheinen Gefühle explosionsartig zu kommen – ohne Vorwarnung, ohne Bremse. Die emotional instabile Persönlichkeitsstörung beschreibt ein Muster, bei dem Emotionen, Impulse und Reaktionen nur schwer kontrolliert werden können. Dabei geht es nicht um gelegentliche Wutausbrüche, sondern um ein über längere Zeit bestehendes inneres Ungleichgewicht.
Die emotionale instabile Persönlichkeitsstörung kann in unterschiedlichen Ausprägungen auftreten. In diesem Beitrag liegt der Fokus auf dem impulsiven Typ, bei dem vor allem mangelnde Impulskontrolle und schnelle emotionale Eskalationen im Vordergrund stehen.
Grundverständnis: Was bedeutet emotional instabil?
Die emotionale instabile Persönlichkeitsstörung ist gekennzeichnet durch:
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eine deutlich schwankende Gefühlslage
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eine Neigung zu impulsivem Handeln
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Schwierigkeiten, die Folgen des eigenen Handelns im Moment zu überblicken
Gefühle werden oft unmittelbar ausagiert – bevor Denken, Abwägen oder Regulieren einsetzen können. Die Stimmung kann sich schnell ändern, insbesondere unter Druck oder bei zwischenmenschlichen Spannungen.
Unterform: Der impulsive Typ
Wenn Kritik zum Auslöser wird
Der impulsive Typ der emotional instabilen Persönlichkeitsstörung ist vor allem durch eine mangelnde Impulskontrolle geprägt. Betroffene reagieren häufig sehr schnell, intensiv und ungebremst auf äußere Reize.
Typisch ist:
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Kritik wirkt wie ein Zünder
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Emotionen steigen plötzlich an
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Reaktionen erfolgen oft ungefiltert und explosiv
Nicht selten kommt es zu verbalen oder körperlich bedrohlichen Ausbrüchen, die im Nachhinein bereut werden können – im Moment selbst jedoch kaum steuerbar erscheinen.
Diagnostische Kriterien (vereinfacht nach ICD-11)
Für eine diagnostische Einordnung müssen mindestens drei der folgenden Eigenschaften oder Verhaltensweisen über einen längeren Zeitraum bestehen:
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Ausgeprägte emotionale Instabilität
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Mangelnde Impulskontrolle, besonders in Stresssituationen
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Reizbarkeit und schnelle Aggression
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Neigung zu gewalttätigem oder bedrohlichem Verhalten
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Geringe Frustrationstoleranz
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Schwierigkeiten, Kritik auszuhalten
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Handlungen erfolgen oft ohne Berücksichtigung der Konsequenzen
Wichtig: Nicht jede impulsive Reaktion oder Wut bedeutet automatisch eine Persönlichkeitsstörung. Entscheidend ist das dauerhafte Muster und der Leidensdruck – für die betroffene Person oder das Umfeld.
Typische innere Dynamik
Menschen mit dieser Ausprägung erleben innerlich häufig:
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starke Spannung
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das Gefühl, „überflutet“ zu sein
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ein schnelles Umschlagen von Ärger zu Aggression
Die Reaktion erfolgt oft schneller als das bewusste Denken. Erst nach dem Ausbruch wird realisiert, was geschehen ist. Dies kann zu Schuldgefühlen, Scham oder weiterer innerer Anspannung führen – ein Kreislauf, der sich wiederholen kann.
Beziehung & Alltag
Im Alltag kann sich das unter anderem zeigen durch:
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häufige Konflikte
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eskalierende Streitgespräche
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Schwierigkeiten, Nähe stabil zu halten
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wiederkehrende Probleme mit Autoritäten oder Kritik
Beziehungen können darunter leiden, obwohl der Wunsch nach Verbindung durchaus vorhanden sein kann.
Mögliche therapeutische Ansätze
Die Therapie zielt vor allem darauf ab:
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Impuls- und Emotionsregulation zu verbessern
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Spannung frühzeitig wahrzunehmen
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alternative Reaktionsmöglichkeiten zu entwickeln
Häufig eingesetzt wird z. B. die Dialektisch-Behaviorale Therapie (DBT), die dabei helfen kann, Gefühle besser zu steuern, ohne sie zu unterdrücken.
Abschließender Gedanke
Emotionale Instabilität ist kein Zeichen von Schwäche, sondern oft ein Hinweis auf ein Nervensystem, das früh gelernt hat, schnell zu reagieren, um sich zu schützen. Mit Verständnis, Struktur und professioneller Begleitung kann es möglich sein, neue Wege im Umgang mit Emotionen zu finden – Schritt für Schritt, ohne Verurteilung.
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